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Corona-Krise

DIVI-Datenskandal bereits im Dezember – BILD-Zeitung schwieg

Der Trick mit den Zeitreihen

Mitte-Ende Dezember deckte ich auf, wie die DIVI falsche Tatsachen im Intensivregister vortäuscht.

So sah die Bettenbelegung in den DIVI-Zeitreihen vor Weihnachten aus:

Wir haben ein gestapeltes Flächendiagramm. Die belegten, freien und Reservebetten sind also übereinander gestapelt. Das Diagramm zeigt z.B. von Mai bis August einen stetigen Anstieg an belegten Intensivbetten, während die obere hellblaue Kante der freien Betten relativ stabil bleibt. Dennoch sinken die freien Betten, weil weniger hellblaue und mehr graue Fläche zu sehen ist.

(Anmerkung: Ab 1. August soll die Zählung etwas geändert worden sein, daher die plötzliche Veränderung der Linien)

So weit, so logisch. Aber… nun der Betrug hinter dem Ganzen:

Die sogenannten Meldebereiche, welche die Zahlen der Betten übermitteln, stiegen auch kontinuierlich:

Ja klar, wenn mehr Krankenhäuser Patienten übermitteln, dann habe ich auch mehr in der Gesamtstatistik. (Hm… der Anstieg ist nur seltsam, wo doch Mitte April 2020 eine Pflicht zur Übermittlung der Betten für die Krankenhäuser eingeführt wurde).

Naja, was machen wir nun, um den wirklichen Verlauf der Bettenkurven zu erhalten? Wir setzen die Betten einfach ins Verhältnis zu den Meldebereichen. Also rechnen wir Betten / Meldebereiche und erhalten die durchschnittliche Bettenbelegung pro Meldebereich:

Noch besser sehen wir die Verläufe, wenn wir kein gestapeltes Diagramm benutzen:

Na, was ist denn hier passiert!

  • Die belegten Betten pro Meldebereich sind 14-15, ab August mit neuer Zählweise 13. Mit Höchststand im Sommer, wo es kaum positive Covid-Fälle gab.
  • Die freien Betten sinken von fast 10 im April auf unter 3 im Dezember! Wo sind die denn hin!? Selbst im Covid-freien Sommer sind doppelt so viele freie Betten verschwunden als Patienten auf die Stationen kamen. So kann man auch einen Notstand erzeugen.

Eine drohende Katastrophe?

Die Regierung hat die Anzahl der Testungen immens ausgeweitet:

Die Anzahl der Testungen hat sich pro Woche von 400.000 im Frühjahr auf 1.600.000 im November vervierfacht. Mehr Tests, mehr Positive. Entsprechend explodierte ab Herbst die Zahl der Neuinfektionen im Vergleich zur „ersten Welle“:

Mehr Positivfälle -> mehr Kontaktpersonen -> mehr Quarantäne. Und auch das medizinische Personal ist keine abgekapselte Gruppe außerhalb der Gesellschaft, sondern sie sind Freunde und Familie. Neben den eigenen Pflichttestungen und entsprechender Quarantäne bei positiven Tests kommt auch die Rolle der Kontaktperson mit Quarantäne hinzu. Mit dem raschen Anstieg der positiven Tests, wurde die Abnahme der freien Betten immer dramatischer. (Freie Betten gelten nur dann als freie Betten, wenn sie auch mit Personal betrieben werden können).

Die Medien überschlagen sich mit dramatischen Berichten aus den Krankenhäusern. Das Personal ist am Limit, immer weniger freie Betten.

Die Kollegen sitzen zuhause in Isolation, die freien Betten dürfen nicht gezählt werden, das übrige Personal muss die Arbeit der fehlenden Kollegen mit übernehmen, aber die belegten Betten (Patienten) blieben die gesamte Zeit über konstant.

Aus Gesprächen weiß ich, dass das Empfinden des Pflegepersonals leider wirklich so schrecklich ist, da sie am Limit arbeiten und gesagt bekommen, wie knapp die Betten sind. Ihnen wird Panik gemacht und sie ziehen jeden Tag als Helden in den Kampf, um eine vermeintlich nahende Katastrophe zu begrenzen.

Die Neuinfektionen stiegen aufgrund der erhöhten Testkapazitäten tatsächlich exponentiell, zum gleichen Zeitpunkt sanken die freien Betten immer schneller und ich kam zu dem Schluss, dass wir bei diesem Testverhalten und konstanter Wegrationalisierung der freien Betten wirklich im Januar eine Triage sehen könnten.

Ich habe der BILD-Zeitung anonym davon berichtet, weil ich dachte, wenn jemand hinter Skandale her ist, dann die BILD und falls wirklich eine Triage aufgrund der Kettenreaktion durch die Massentestungen stattfinden könnte, dann sollte so etwas verhindert werden.

DIVI „korrigiert“ Daten

Die BILD hat zwar nicht davon berichtet, aber die DIVI hat daraufhin ihre Daten „korrigiert“. Die Meldebereiche waren jetzt plötzlich doch konstant:

Dementsprechend wurde das Gesamtbild auch „begradigt“:

Das sieht schon realistischer aus. Wieder im Verhältnis zu den Meldebereichen betrachtet, nehmen die Betten etwas stärker ab und sehen so aus:

Aber schon nahe dran. Jetzt müssen noch Spuren verwischt werden:

Die Spurenbeseitigung

Kennen Sie die Wayback-Machine von http://web.archive.org/ ? Darüber kann man sich Versionen von Websites aus der Vergangenheit ansehen. Geben Sie www.intensivregister.de ein und wählen Sie das Datum und die Uhrzeit, die sie betrachten möchten.

Sie werden sehen, dass bei www.intensivregister.de lediglich leere weiße Seiten angezeigt werden, während die Hauptseite www.divi.de problemlos angezeigt wird.

Aber Moment, das RKI hat doch Tagesberichte der DIVI auf deren Internetseite. Also müssten doch die alten Tagesberichte die vorherigen falschen Diagramme zeigen, oder? Müssten ja, tun sie aber nicht mehr:

Das unterste Diagramm (blau) zeigt die Meldebereiche. Schön gerade, da hat man wohl auch rückwirkend nachgebessert.

Das Blöde an den neuen Diagrammen ist jetzt aber, dass keine Pandemie mehr zu sehen ist, da die Patientenbelegung von April bis Dezember unverändert ist.

Der Bayerische Rundfunk weiß wenige Tage später zum Glück Bescheid, warum man in den Diagrammen keine Pandemie sieht:

https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/corona-das-raetsel-um-die-belegten-intensivbetten,SKZzUTM

Unter anderem:

  • Mehr Verlegungen auf Normalstation
  • Verschobene Operationen

Komisch, die Diagramme bis Weihnachten haben aber doch gezeigt, dass die Pandemie über die Bettenbelegung ansteigt und alle Diagramme zeigen, dass die freien Betten weniger werden…

Was die DIVI nicht löschen konnte

Bevor Sie denken, ich habe mir das alles nur ausgedacht, zeige ich Ihnen ein paar Beweisstücke. Im Grunde muss man nur Google bemühen, denn es gibt genug Seiten im Internet, die auch vorher Bezug auf die DIVI genommen haben und Diagramme gezeigt haben. Fundstücke wären z.B.:

Der Blog von Clemens Heni (draufklicken und Diagramme vergleichen):

10. Dezember (mit altem DIVI-Diagramm):

30. Dezember (mit neuem DIVI-Diagramm):

Oder ein Video auf Youtube vom 28.10.2020, das die Seite der Zeitreihen mit Stand Oktober zeigt: https://www.youtube.com/watch?v=tJNrLsJb3AI

Liebes BILD-Team, warum haben Sie das alles verschwiegen? Und wieso hat die DIVI nach meinem Schreiben an BILD die Daten so plötzlich geändert, obwohl ich nur Ihnen und nicht der DIVI geschrieben hatte?

Ach, zum Schluss noch der Elephant in the Room:

Was ist aus der angeblichen Triage-Gefahr geworden?

Es gab Entwarnung. Die Testungen wurden ab Mitte Dezember um 60% heruntergefahren und die Neuinfektionen sanken dementsprechend stark mit. Weniger Tests, weniger Positive

Anmerkung: Test- und Positivzahlen korrelieren etwa von Oktober bis April. In der warmen Jahreshälfte von Mai (KW18) bis September (KW40) ist die Positivrate so gering (meist unter 1%), dass man im Diagramm wenig Zusammenhang erkennen kann:

Danach haben sich die Politiker natürlich mit großen Lobeshymnen selbst gefeiert, wie gut der Lock-Down doch funktioniert. Ja ne, is‘ klar.

Mehr über die Zusammenhänge von Neuinfektionen (bzw. Inzidenzen) und dem Testverhalten finden Sie hier: Die Inzidenz – Kritik und Alternative